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(c) Adrian Thomale

(gro) Sicher, Wintersportler lieben ihn, den Winter. Immerhin kann man während dieser Jahreszeit deutlich besser Ski und Snowboard fahren als an einem heißen Juli Tag. Motorradfahrer hingegen werden ihn höchstwahrscheinlich eher hassen. Es ist kalt, die Strassen sind nass oder gar vereist - an genußvolles Kurvenwetzen ist da nicht im Ansatz zu denken. Da gibts nur eins: Im warmen bleiben und lesen, zum Beispiel Motorradgeschichten. Youngbiker.de hat natürlich auch eine passende auf Lager.

I. Der Tag beginnt


Langsam öffne ich die Augen, die Sonne blendet mich. Verschlafen blinzle ich aus dem Fenster und erkenne nach einiger Zeit einen morgendlichen, aber kristallblauen Himmel. Ruckartig springe ich aus dem Bett und stürze mich in Rekordtempo in meine Lime-grüne Lederkombi.

Bei diesem Wetter muss ich einfach raus auf meine Maschine. Ich hechte die Treppe herunter und schnappe mir im vorbeisprinten den Schlüssel mit dem riesigen Schlüsselanhänger: ein grauer, zugepflasterter Esel mit verschmutztem Fell und der Aufschrift "Nobody is perfect!" Wie verdammt richtig dieser Spruch doch ist - und so interessiert es mich herzlich wenig, dass das Haus noch schläft, als ich voller Vorfreude in die Garage stürze. Da steht sie vor mir: Ein grüner Koloss aus Aluminium, Stahl, Kunststoff, GFK und Karbonfaser. Etwas betagt ist die Dicke mit ihren 9 Jahren, dennoch sollte dieses 150 PS Kraftwerk nicht unterschätzt werden! ZX-9R "Ninja" steht an ihrem Heck und eben jenen Schriftzug mussten viele übermutige Treiber modernerer Maschinen schon frustriert lesen, als sie auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt wurden.

Wie auch immer - ich hatte die Maschine bereits am vorherigen Tag für den Austritt bereit gemacht und so schob ich sie aus der Garage und betätigte den Anlasser. Spätestens jetzt war der halbe Ort unfreiwillig aus seinen Träumen gerissen worden, denn was der

900 cm³ große Reihenvierzylinder durch die 4-2-1 Racinganlage blies war wahrlich Ohrenbetäubend. Raus aus dem Ort - Schwarzwald ich komme!

 

II. Erstes Blut


Endlich zeigt der Ölfühler die sehnlichst erwarteten 80°C an - Betriebstemperatur! Jeder kann sich denken, was die logische Konsequenz ist: Hartgas! Die Metzeler-Gummis hatten längst die optimale Temperatur erreicht und so prügele ich den Drehzahlmesser auf die maximal möglichen 12.000 U/M. Erschüttert von der unbändigen Kraft richtet sich die Maschine auf und prescht auf dem Hinterrad der 180 km/h Marke entgegen. Roter Bereich! Ohne Kupplung knalle ich im Bruchteil einer Sekunde den dritten Gang rein.

Der Tacho passiert schnell die 200 und schon fliege ich auf die erste Spitzkehre zu. Maximal 70 sind hier möglich, also reiße ich am Bremshebel und die 6-Kolben Bremsanlage beisst zu. Die Bremsbeläge krallen sich in die Stahlscheiben, der Vorderreifen wimmert um Gnade. Unter 8.000 U/M hält sich der Vortrieb in Grenzen - unter diese Grenze sollte ich die Nadel nicht fallen lassen und so presse ich den Schalthebel zweimal nach unten. Kupplung fliegen lassen - stempelnd schert das Hinterrad zur Seite aus - Anti-Hopping-Kupplungen waren Anno 1998 eben noch serienferner Luxus.

Schnell schiebe ich meinen Hintern seitlich vom Sitz und schon ist der Einlenkpunkt gekommen. Ich zwinge die Maschine in die Kurve, die Raste schleift funkensprühend über den Asphalt, der rechte Knieschleifer meldet den Bodenkontakt mit einem wohltuenden Schrabbeln. Direkt am Scheitelpunkt der Kehre beginne ich die Maschine aufzurichten und mit einem wohldosierten Dreh am "Spaßknüppel" lasse ich die Drosselklappen in die horizontale schnellen. Mit tiefem Grollen saugt der Vierzylinder die Luft zusammen mit dem 95-oktanigen Sprit in die Brennräume um sie nach einer kraftvollen Explosion wieder ins Freie zu pressen.

Abermals beginnt die Beschleunigungsorgie, sie wird jedoch nach der nächsten Vollgas-links jäh gestoppt. Verdammt! Ein großer 5-Sterne Reisebus voller Scheintoter! Um diese Uhrzeit? Hier? In meinem Revier!? Die Sekunden in denen ich nervös auf eine Überholmöglichkeit warte kommen mir wie endlose Stunden vor. Endlich ist sie da: Eine kurze freie Gerade, das sollte reichen. Zwei Gänge runter schalten und schon lasse ich dem Altherrenverein im klimatisierten Liner von "Becker-Reisen" den Herzschrittmacher in den Resetmodus scheppern. Das sollte also mein erstes Opfer des heutigen Tages sein? Ein Reisebus? Nunja... Ich atme tief durch und lege mich abermals flach auf den Tank....

 

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