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(c) Markus Jahn

(fwm) Neulich fuhr ich, zugegebenermaßen mit dem Auto, auf der Schnellstraße nach Stuttgart unter einem großflächigen Banner "Feinstaubalarm!" durch. Hatten wir diesen Alarm im letzten Jahr nur im tiefsten Winter, hat die von dem Problem geplagte Stadt dieses Jahr bereits Ende Oktober den ersten Feinstaubalarm ausgerufen, der Fahrer von Kraftfahrzeugen zum Umstieg auf den ÖPNV oder das Fahrrad bewegen soll. Wie es zu dem Problem kommt und wieviel Anteil Kraftfahrzeuge sowie insbesondere Motorräder daran haben mögen, sei dahingestellt. Trotzdem bleibt die spannende Frage: Wohin bewegen wir uns mit dem Elektroantrieb? Erst Recht, nachdem ich vor nicht allzu langer Zeit im Stau hinter einem Tesla Model S P85D hinterherfuhr und mich dieser am Erreichen des Stauendes gnadenlos versägt hatte. Kein Wunder bei 469 PS und 930 Nm(!) quasi immer verfügbarem Drehmoment.

 

Was macht Elektromotorräder so spannend? Zwei Dinge dürften da ganz vorne stehen: Das volle Drehmoment liegt zu quasi jedem Zeitpunkt an und entwickelt dabei einen Durchzug, der die meisten Benziner alt aussehen lässt. Und: Ein Getriebe gibt es nicht, weil der Elektromotor mit seinem hohen Drehmoment nur einen fixen Gang benötigt. Die niedrigen Verbrauchswerte sprechen ebenfalls für sich - so liegen die Kosten für die Aufladung oft bei weniger als 1ct pro Kilometer.

 

Im letzten Jahr ist ausgerechnet Harley-Davidson mit großem Tamtam mit seiner Elektromotorrad-Studie "Project Livewire" um die Welt getourt. Wie geil sich das Ganze beim Fahren angefühlt hat, haben wir euch hier samt Video gezeigt. Zu kaufen gibt es das noch nicht, sondern soll erst bis 2020 auf dem Markt eingeführt werden. Doch was gibt es heute schon? Und noch viel interessanter: Wie ist die Reichweite? Kann man sich das leisten?

 

Auf dem europäischen Markt ist die Auswahl nach wie vor recht mau: Ähnlich wie bei den Autos, trauen sich auch bei den Motorrädern die großen Hersteller nur kaum aus der Deckung. Zwar gibt es die ein oder andere Konzeptstudie. Tatsächlich auf den Markt haben es bislang aber nur zwei Großserienhersteller geschafft: BMW läutete mit dem Maxi-Roller C evolution beim Zweirad die Energiewende ein. Und nach langen Geburtswehen rollten die KTM-Elektroversionen Freeride E-SX und E-XC an den Start. Das Angebot dominieren aber nach wie vor innovative Branchenneulinge wie Zero und Brammo. Sie haben erste Elektromotorräder auf den Markt gebracht, die Fahrspaß mit halbwegs akzeptablen Reichweiten bieten.

 

Den BMW C evolution-Roller gibt es inzwischen in zwei Varianten: Einer 15 PS-Version (mit 48 PS Spitzenleistung) und 100 km Reichweite sowie einer "Long Range"-Variante mit 26 PS (auch 48 PS Spitzenleistung) und 160 km Reichweite. Beide schaffen die 100 km/h-Marke in etwas über 6s. Die Ladezeit beträgt rund 4h, die Preise fangen bei stolzen 15.000,- € an.

 

Günstiger ist die KTM Freeside E-SM: Sie kostet ab 11.595,- €, leistet 15 PS (maximal 22 PS), wiegt leichte 11 kg und soll, jedenfalls an einem 13 Amp-Hausanschluss, in 60 Minuten zu 90% aufgeladen sein. Leider hat so einen Anschluss kaum einer. Die Reichweite liegt bei mageren 55 km. Prinzipiell spannend: In Deutschland darf man die Maschine bereits ab 16 Jahren fahren; mit der formellen Dauerleistung von 11 kW (15 PS) fällt die KTM Freeride E zulassungs- und versicherungstechnisch in die Führerscheinklasse A1.

 

Und sonst? Da ist die Brammo Enertia. Sie ist ein 17 PS starkes Elektromotorrad mit einem Drehmoment von 40 Nm und einer Höchstgeschwindigkeit von mindestens 95 km/h. Nach 68 km ist Schluss. Seit 2012 wird das weitgehend baugleiche Modell Enertia Plus angeboten, das bei doppelter Akku-Kapazität Reichweiten von bis zu 130 Kilometern erzielen kann.

 

Ein weiteres US-Bike ist die Victory Empulse. 55 PS, 0 auf 100 km/h in 5,6s und eine Reichweite von zwischen 93 und 206 km machen das Motorrad schon alltagstauglicher. Die Ladezeiten von 2 bis 8h dagegen weniger.

 

Die größte Bekanntheit dürften Elektromotorräder von Zero haben, bspw. die Zero SR. Mit bis zu 67 PS und bis zu 317 km Reichweite geht da einiges - bei vergleichsweise moderaten Preisen ab 12.490,- €. Dennoch: Wer maximale Leistung und/oder Reichweite will, legt deutlich mehr Geld auf den Tisch.

 

Zurück nach Stuttgart: Eine Zeit lang sah man eine (mehr oder weniger) Studie vom Energieanbieter EnBW herumfahren: das von Elmoto hergestellte Kleinkraftrad HR-2 mit 45 km/h Höchstgeschwindigkeit und bis zu 65 km Reichweite. Flüsterleise und erstaunlich fix. Inzwischen sind die kompakten Bikes aber (leider?) wieder von den Stuttgarter Straßen weitgehend verschwunden. Aus welchem Grund auch immer.

 

Und jetzt? Lust auf Elektromobilität bekommen? Nun ja... Es dürfte noch etwas Zeit dauern, bis tatsächlich ernstzunehmende, wirklich alltagstaugliche Maschinen auf den Markt kommen, die man sich auch leisten kann. Aber da gibt es noch die Pedelecs: Nicht nur die häufig etwas "klobig" aussehenden mit Unterstützung bis 25 km/h, sondern auch die sog. S-Pedelecs. Sie verfügen über eine Motorkapazität von max. 500 Watt. Damit erreicht der Fahrer eine Geschwindigkeit von bis zu 45 km/h. Rechtlich gesehen sind S-Pedelecs keine Fahrräder, sondern Kleinkrafträder. Der Fahrer muss daher ein Versicherungskennzeichen anbringen und benötigt mindestens einen Mofaführerschein. Bei Pedelecs kann übrigens E-Bike Test ein erster Anhaltspunkt sein, die Kaufentscheidung erleichtern und vor Fehlentscheidungen bewahren. Lesenswerte Artikel und News zu E-Bikes gibt es im Blog von E-Bike Test.

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